Freitag, 14. September 2018

Tag 31: Saint-Nazaire und Umgebung

Saint-Nazaire und Umgebung:

Von Dolmen, Menhiren und Tumuli - ein Ausflug in prähistorische Zeiten ...

Tumulus ist die lateinische Bezeichnung für ein Hügelgrab oder einen Grabhügel. Ein Tumulus ist eine gestreckte, runde oder ovale Erdaufschüttung, unter der bzw. in der sich Grablegen oder andere Vorzeitmonumente befinden. Bei den Gräbern kann es sich um Körperbestattungen (im Baumsarg), Urnengräber oder ausgestreuten Leichenbrand handeln. Die Hügel können Einbauten (z.B. aus konzentrischen Kreisen, Gebäuden oder Steinkisten) haben. Die steinernen Versionen der Hügel heißen französisch "Tumuli de pierres" (engl. "Cairns"). Grabhügel können weder zeitlich noch regional eingegrenzt werden. Es gibt sie in Europa regional beinahe durchgängig ab der Steinzeit über die Bronzezeit bis in die Eisenzeit und das Mittelalter.

Ein Dolmen (aus dem kornischen "tolmen" = deutsch "Steintisch") ist ein in der Regel aus großen, unbehauenen oder behauenen Steinblöcken errichtetes Megalith-Bauwerk, das meistens als Grabstätte diente. Es besteht aus drei oder mehr aufrechtstehenden Tragsteinen, auf denen eine oder mehrere Deckplatten ruhen. In Europa waren Dolmen meist ursprünglich von Hügeln aus Steinen oder Erde bedeckt. Der Ausdruck "Dolmen" wurde von dem in der Bretagne geborenen Franzosen Théophile Malo Corret de la Tour d'Auvergne (1743-1800) in die Altertumsforschung eingeführt. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse zum primären Zweck der megalithischen Steinsetzungen. Man nimmt im Allgemeinen an, dass die meisten Dolmen als Bestattungsorte dienten. Dolmen sind in ganz West- und in Teilen Nord-, Mittel-, Süd-, Südwest- und Südosteuropas verbreitet, wobei ein gehäuftes Vorkommen in Küstennähe zu beobachten ist. Dolmen bestehen heute oft nur aus freistehenden großen Steinen, da die kleineren Steine in früheren Zeiten von den Bewohnern der Umgebung abgetragen und zum Bau von Mauern, Stallungen, Häusern und dergleichen genutzt wurden.

Ein Menhir ist eine aus dem Bretonischen entlehnte Bezeichnung für einen vorgeschichtlichen, hochragenden Steinblock, der auch als Hinkelstein bekannt ist. Asterix und Obelix lassen grüßen :-) In der prähistorischen Archäologie bezeichnet das Wort einen länglichen Einzelstein (bretonisch "maen" = "Stein"; "hir" = "lang"), der in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen aufrecht gestellt wurde. Die Identifikation als Menhir ist oft nur durch eine Ausgrabung zu verifizieren. Aufrechte Steine dienten auch als Grenzsteine, Ruhsteine, Werbung für Steinbrüche, moderne Gedenksteine und Gartenornamente sowie als Markierung von Straßen. Die Bezeichnung "Menhir" wurde durch die Publikation "Origines gauloises" aus dem Jahr 1796 von Théophile Malo Corret de la Tour d'Auvergne (s.o.) in die archäologische Fachliteratur Frankreichs und Kontinentaleuropas eingeführt.

Ich setzte mich heute wieder aufs Rad und fuhr los.

In einem Park entdeckte ich gleich ein Steingebilde. Ein Dolmen???


Fehlalarm! Das ist eine künstlich angelegte Kletteranlage :-) Nichts Prähistorisches.

Aber ein echtes prähistorisches Bauwerk erreichte ich, nachdem ich Saint-Nazaire verlassen hatte: den Tumulus de Dissignac, einen 1873 entdeckten und freigelegten Grabhügel. Er bedeckt zwei Dolmen mit parallelen, je 11 m langen Gängen. Er konnte 2 Konstruktionsphasen nachweisen. Um 4500 v. Chr. wurden 2 Dolmen Seite an Seite errichtet. In einer zweiten Phase, ca. 3000 v. Chr., wurden diese Gänge verlängert. Die Fassade wurde durch Steinmauern gesichert. Die reichen Keramikfunde im Inneren weisen darauf hin, dass die Anlage vom älteren bis zum jüngeren Neolithikum (4500 bis 2500 v. Chr.) in Nutzung war.

Leider (!!!!) war der Tumulus geschlossen. Er ist nur in der Zeit von 8. Juli bis 2. September geöffnet. Ich konnte ihn somit nur von außen anschauen. Schade!




Zurück in Saint-Nazaire suchte ich den Dolmen des Trois Pierres (Drei-Steine-Dolmen) auf, der 1889 zum historischen Denkmal erklärt wurde. Er ist - wie der Name schon sagt - ein Trilith-Dolmen, der aus 2 verikalen Steinen besteht, auf dem ein dritter Stein horizontal liegt. Daneben steht ein Menhir, der lange Zeit auf dem Boden gelegen hatte und 1928 wieder aufgerichtet wurde. In unmittelbarer Nähe befinden sich weitere kleine Steine.



Weitere Impressionen aus Saint-Nazaire und Umgebung:




Ecole d'Arts (Kunstschule) de la Ville de Saint-Nazaire

Ecole d'Arts (Kunstschule) de la Ville de Saint-Nazaire

Jardin des Plantes (botanischer Garten):


















UFF! Das sind jetzt ein bissl viele Fotos geworden :-)

Ein paar Kilometer mit dem Rad sind doch wieder zusammengekommen (17,81), ich war aber auch zu Fuß unterwegs.

Morgen fahr ich wieder rüber nach Saint-Brevin. Dort gibt es auch noch ein paar Menhire und Dolmen, bevor ich meine letzte Etappe (Saint-Brevin zurück nach Nantes) starte, um in meinen Zug einzusteigen.

Übernachtung: Hotel-Restaurant La Luna die dritte

Gesamtstrecke 17,81 km
Zeit in Bewegung und Gesamtzeit sind nicht relevant, da es wieder eine Bummel- und Sightseeingtour war.
Temperatur zwischen 20 und 24 °C (in der Früh 10 °C)
Meeresbrise, aber nicht wirklich windig! Strahlender Sonnenschein!

Die Höhe hat sich nicht geändert :-)

Donnerstag, 13. September 2018

Tag 30: Saint-Nazaire

Saint-Nazaire:

Laaaaange schlafen und danach gemütlich frühstücken stand auch heute auf dem Programm. Ich habe das Hotel für 3 Übernachtungen gebucht. Die Wäsche hängt zum Trocknen. Mein Frühstück war auch hier recht gut (für französische Verhältnisse).

Heute hab ich wieder die Sonnenaufgangs- und Sonnenuntergangszeiten verglichen. Hier geht die Sonne um 1 Stunde 15 Minuten später auf als in Wien! Und am Abend geht sie um 1 Stunde 12 Minuten später unter.

Über dem Meer hing der Nebel. Im Laufe des Vormittags löste sich der Nebel auf, aber eine dicke Wolkendecke blieb den ganzen Tag bei Temperaturen bis zu 22. Grad.

Nach dem Frühstück ging ich am Strand spazieren und anschließend shoppen. U.a. konnte ich mir einen neuen Displayschutz für mein Handy kaufen. Navi-Halterung hab ich nicht gefunden.

Eines meiner 3 Bahntickets druckte ich in einem Copy Shop aus. Dabei bekam ich fast die Krise. Ich konnte mich nicht in mein Mail Account einloggen. 3-mal FALSCHES PASSWORT! PW mit dem Handy zurücksetzen, ändern. Neuer Versuch. Wieder 3-mal FALSCHES PASSWORT! Das gibt's doch nicht. Die Sonderzeichen sind auf einer französischen Tastatur auf anderen Tasten zu finden, daran lag es aber nicht. Die hab ich gefunden. Die Buchstaben sind auch anders. A, Q, M, W, Z, Y sind an anderer Stelle. Umlaute gibt es nicht. Aber daran lag es auch nicht, das muss gestimmt haben. Bis ich draufkam, dass man für die Zahlen die Shift-Taste braucht! Wem fällt denn so etwas ein????? Am Ende hat es doch geklappt. Und ich konnte für meinen Streckenteil Frankfurt-Wien ein Papier-Ticket ausdrucken, weil man in Frankfurt bei länderübergreifenden Tickets kein E-Ticket vorweisen kann. Na ja. Für die anderen beiden Tickets (Nantes-Strasbourg und Strasbourg-Frankfurt) ist mein E-Ticket ausreichend.

Für morgen hab ich mir ein paar Menhire und Dolmen herausgesucht, die ich mir anschauen möchte. 2 davon sind in der Stadt bzw. im Umkreis und somit leicht erreichbar.

Übernachtung: Hotel-Restaurant La Luna die zweite

keine Gesamtstrecke
keine Zeit in Bewegung
keine Gesamtzeit
Temperatur zwischen 20 und 22 °C (in der Früh 12 °C)
Meeresbrise, aber nicht wirklich windig! Bewölkt!

Die Höhe hat sich nicht geändert :-)

Mittwoch, 12. September 2018

Tag 29: Saint-Brevin-les-Pins bis Saint-Nazaire

Saint-Brevin-les-Pins bis Saint-Nazaire:

Laaaaange schlafen und danach gemütlich frühstücken stand heute im Vordergrund. Ich hatte viel Zeit, vor 11 Uhr musste ich nicht auschecken. Mein Frühstück war recht gut (für französische Verhältnisse).

Danach packte ich meine sieben Sachen ein und setzte mich aufs Rad.

Über dem Meer hing noch der Nebel. Außerdem sah ich, dass da, wo ich gestern im Wasser war, gar kein Wasser war. Die Gezeiten sind hier sehr deutlich.



Mit leicht mulmigem Gefühl fuhr ich in Richtung Saint-Nazaire-Brücke (Pont de Saint-Nazaire), die ich gestern schon beschrieben hatte. Noch ein kurzer Blick auf die Brücke. Auch hier fiel mir auf, dass die Boote auf dem Trockenen lagen.


Ich fuhr die Fahrradzufahrt zur Rampe der Brücke hinauf und stieg noch einmal ab.






Ergänzend zur Beschreibung von gestern: die Brücke hat 3 Fahrspuren. Die Fahrtrichtung für die mittlere Spur wird durch die Ampeln geregelt. Heute waren in meiner Fahrtrichtung durchgehend 2 Spuren und in der Gegenrichtung eine Spur vorgesehen. Ob sich das ändern kann, weiß ich nicht.

Ein Schluck Wasser, ein Bissen von einem Müsliriegel, TIEF durchatmen, eine Lücke zwischen den vielen vielen vielen Autos und LKWs abwarten - und dann fuhr ich los.

Diese Fahrt war nicht ohne. Ich hatte einen durchgehenden Fahrradstreifen am Rand, der allerdings sehr schmal war. Viele Autos und LKWs zogen knapp an mir vorbei, was ich als sehr unangenehm empfand. Bergauffahren ist für mich keine Herausforderung, ich bin schon steiler und auch länger steil bergauf gefahren. Aber mit dem dicht vorbeirollenden Verkehr ist es doch anders und grenzwertig. Ich bin froh, dass ich keinen Wind hatte! Ich war auf jeden Fall heilfroh, als ich drüben war.



Und nun war ich in Saint-Nazaire.

Saint-Nazaire (bretonisch: Sant-Nazer) hat 68.513 Einwohner (Stand 1. Jänner 2013). Der Ortsname kann auf den heiligen Nazarius zurückgeführt werden. Der Seehafen von Saint-Nazaire ist der viertgrößte Frankreichs und der größte französische Hafen am Golf von Biscaya.
Über Saint-Nazaire bzw. Saint-Brevin-les-Pins verläuft die Route Bleue (Blaue Route), an der elf bedeutende prähistorische Megalithmonumente liegen. Auf der Karte hatte ich gestern schon in Saint-Brevin Hinweise zu Dolmen und Menhire gesehen. Dem werde ich in den nächsten Tagen noch näher nachgehen :-)

In der Zwischenzeit hatte sich auch der Nebel aufgelöst und der Himmel wurde immer blauer und frei von Wolken. Ich suchte den kürzesten Weg zum Strand und fuhr den Strand entlang. Anfangs konnte ich auf der Uferpromenade fahren, später musste ich auf die Straße ausweichen.



Monument du soldat américain


Auch hier sieht man die Gezeiten deutlich. Ich hab erst später im Hotel nachgeschaut, wann heute Hochwasser und wann Niedrigwasser war.

In der Grafik von Hochwasser und Niedrigwasser können wir beobachten, dass das erste Niedrigwasser um 1:33 Uhr und das nächste um 13:51 Uhr stattfinden. Das erste Hochwasser um 7:11 Uhr und das nächste um 19:30 Uhr stattfinden. 
(Zit.)

Die obigen Fotos hab ich am Vormittag aufgenommen. Am Nachmittag auf meinem Rückweg war noch weniger Wasser da. Das erklärt natürlich einiges. Und gestern Abend, als ich mein obliagorisches "ich war im Wasser"-Foto aufgenommen habe, war somit Hochwasser.
Ich sah heute übrigens immer wieder Tafeln, dass Baden verboten ist oder zumindest dass Baden hier gefährlich ist und nur auf eigenes Risiko möglich ist. Ich kann nur vermuten, dass das entweder mit den Gezeiten zusammenhängt oder dass hier Strömungen sind. Ich hab bisher niemanden im Wasser gesehen, weder gestern noch heute.





Das alte Fort de Villès Martin, das 1861 von Napoleon III erbaut wurde, ist bis heute vollständig erhalten und wird als Ausstellungsort genutzt:


Das Gelände um das Fort de l'Eve in Saint-Marc war leider als militärisches Arreal abgesperrt, daher konnte ich mir das Fort nicht anschauen. Interessant wäre es gewesen, da es in beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle gespielt hat.



Aber Saint-Marc bot mir auch einen netten Blick auf den Plage de la Courance.



Da mein Magen bereits knurrte, suchte ich mir ein nettes Straßenlokal und stillte meinen Hunger mit einem üppigen Salat. Anschließend fuhr ich die Küste entlang wieder zurück, suchte mein Hotel auf und checkte um 15 Uhr 30 ein.

Danach warf ich die Waschmaschine an - das Waschbecken und Rei in der Tube :-).

Insgesamt kam ich heute doch noch auf 30,91 km. Mein heutiger Tag war durchgehend sonnig bei Temperaturen zwischen 20 und 26 Grad (in der Früh 15 Grad).

Übernachtung: Hotel-Restaurant La Luna - tolle Lage, ein paar Gehminuten vom Strand entfernt, großes und komfortables Zimmer, großes Badezimmer, einiges ist ein bissl desolat (Duschhalterung schief, Duschvorhang schief, einige Lampen funktionieren nicht); Preis ist akzeptabel für eine Stadt wie Saint-Nazaire am Atlantik! WLAN ist ein bissl holprig, funktioniert aber mit gut Zureden.

Gesamtstrecke 30,91 km
Zeit in Bewegung und Gesamtzeit sind nicht relevant, da es eher eine Bummel- und Sightseeingtour war.
Temperatur zwischen 20 und 26 °C (in der Früh 15 °C)
Meeresbrise, aber nicht wirklich windig! Sonnig mit ein paar weißen Wolken am Himmel.

Die Höhe hat sich nicht geändert :-)